Stadtgrün: Die Mahonie

 

Blühende, Gewögnliche Mahonie mit rot-grünen Blättern

Unter Stressbedingungen färben sich die Blätter der Gewöhnliche Mahonie (Mahonia aquifolium) oft intensiv rot.
Bild: Susanne Neumann

 

Es gibt nicht allzu viele Gehölze, die im Vorfrühling in Gärten, städtischen Anlagen oder in unserer freien Kultur-Natur blühen. Nach einem harten und trüben Winter halten wir verständlicherweise nach blühenden Pflanzen besonders intensiv und interessiert Ausschau. Dazu gehören die etwa zeitgleich mit der Kornelkirsche und den Forsythien blühenden Mahonien. Die in Frechen verbreitete, typische Art der Pflanzengattung „Mahonia“ ist die „Gewöhnliche Mahonie“ (Mahonia aquifolium). Man begegnet ihr in Gärten, Parks und städtischen Anlagen als Bestandteil von Hecken oder als Zierstrauch, aber auch wildwachsend an Straßen und auf Brachen.

Mahonienhecke am Frechener Freiheitsring

Entlang der Realschule in Frechen trennt eine Hecke aus Gewöhnlichen Mahonien den Fußweg von Radweg und Freiheitsring.
Bild: Susanne Neumann

 

Dekorative Blattfärbung

Die immergrünen Sträucher, nach dem amerikanischen Gärtner Bernard McMahon (1775–1816) benannt, blühen von März bis Juni. Dann fallen sie durch die intensive goldgelbe Farbe der Kronblätter in den entfalteten Blütenständen auf. Ihre kleinen, gelben und duftenden Blüten stehen als Rispen oder Trauben zu mehreren zusammen.

Ihre optische Wirkung entfaltet die Mahonie aber auch durch ihre schönen, oft mehrfarbigen, glänzenden und stachelig gezahnten Laubblätter, deren Farbe zwischen hellgrün, dunkelgrün und rot wechseln kann. Im Herbst oder unter Stressbedingungen färben sich ihre Blätter oft nur teilweise intensiv rot, so dass auch diese Färbung zum dekorativen Charakter der Pflanze beiträgt. Ihre Früchte sind blau-schwarze Beeren.

Hang zum Verwildern

Mahonien vermehren sich durch Samenverbreitung mithilfe von Tieren, insbesondere von Vögeln, aber auch vegetativ durch unterirdische Ausläufer oder Stecklinge. Die Gewöhnliche Mahonie verwildert leicht und hat sich längst als Neuling, als sogenannter Neophyt, in unserer Flora etabliert. Mahonien wuchern oft in Hecken hinein, wenn sich durch vorhandene Lücken dazu Gelegenheit bietet. Eine „Problempflanze“ ist sie jedoch nicht: Anders als so genannte „invasive“ Neophyten macht sie anderen Pflanzen den Lebensraum in der Regel nicht streitig.

Mahonien stellen keine besonders hohen Standortansprüche und wachsen sogar an Straßenbahnlinien auf dem Schotter, wenn auch nicht optimal. (Bild) Dort bleiben sie eher niedrig, während sie unter guten Bedingungen und freistehend bis zu zwei Meter hoch werden können. Sie gedeihen im Licht und im Schatten und auf Böden recht unterschiedlicher Qualität, bevorzugen aber guten Lehm- oder Lößboden. Extreme Bedingungen wie lang anhaltende Trockenheit und Staunässe bekommt den Mahonien schlecht. Dafür vertragen sie das Zurückschneiden – zum Beispiel für den Heckenschnitt – gut.

Mahonia aquifolium auf unwirtlichem Untergrund

Wie anpassungsfähig Mahonia aquifolium ist, zeigt sich an diesem Exemplar, das sich auf Schotter nahe der Haltestelle Mühlengasse in Frechen angesiedelt hat.
Bild: Susanne Neumann

 

Zweifellos ist die Mahonie eine Bereicherung der vom Menschen geprägten urbanen Pflanzenwelt. Wegen ihrer winterharten, stacheligen Blätter wird sie auf den ersten Blick bisweilen mit der Stechpalme verwechselt. Wie unterschiedlich die beiden Pflanzen jedoch aussehen, sieht man zum Beispiel an der Kirche St. Severin, wo beide nebeneinanderstehen. Eindeutig unterscheiden lassen sich Mahonien auch von den Berberitzen, mit denen sie verwandt sind: Anders, als ihre Verwandten haben Mahonien gefiederte Blätter. Außerdem weisen Berberitzen Dornen an den Zweigen auf, die Mahonien nicht.

Blüten mit Überraschungseffekt

Mahonien zählen zu der Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae). Wie diese haben auch alle Mahonia-Arten einen interessanten, ungewöhnlichen Bestäubungsmechanismus: Bei Berührung durch ein Insekt krümmen sich die Staubblätter schlagartig in Richtung Blütenmitte. Durch diesen Mechanismus kann der Blütenstaub sehr wirkungsvoll auf blütenbesuchende Insekten abgeladen werden. Man kann das Phänomen selbst gut beobachten oder bei Führungen und Exkursionen eindrucksvoll demonstrieren, wenn man die Staubblätter zum Beisiel mit einer Bleistiftspitze berührt. Vor allem bei Kindern ruft diese überraschende Beobachtung oft Erstaunen und Bewunderung für die Geheimnisse der Blüten hervor.

„Giftig“ ist relativ

Zur Giftigkeit der Mahonie finden sich Bewertungen. Als giftig gilt besonders die Wurzelrinde. Hauptwirkstoffe sind Berberin, Oxyacanthin und Berbamin. Der Alkaloid- oder Giftgehalt soll in der Frucht 0,06%, in der Wurzelrinde bis zu 5% betragen. Die gelbe Farbe unter der Rinde der Mahonie ist durch den Farbstoff Berberin bedingt. Das Alkaloid gehört zu den Isochinolinalkaloiden. Berberin wurde früher als Textilfarbstoff verwendet und wird noch heute in Indien als Färbemittel zur Gelbfärbung von Wolle genutzt.

Die blauen Früchte der Mahonie gelten als nicht oder kaum giftig, haben aber immer noch einen geringen Alkaloid-Anteil. Die Beeren einiger Mahonia-Arten sollen sogar essbar sein und sich – nach entsprechender Vorbehandlung – zur Herstellung von Marmelade, Gelee und sogar Wein eignen. Von dem Verzehr ohne Fachkunde muss jedoch dringend abgeraten werden!

Ist die Mahonie also giftig oder nicht? Schon Paracelsus wusste, dass die Menge eines Stoffes darüber entscheidet, ob dieser ein Gift ist oder nicht. Bekanntlich sind nicht wenige Giftpflanzen zugleich Heilpflanzen, weil geringe Giftmengen sich unter Umständen positiv auf die menschliche Gesundheit auswirken können. Für Berberin ist bei richtiger Anwendung eine ganze Reihe für die menschliche Gesundheit förderlicher Wirkungen bekannt. Wenn aber Stoffe abhängig von der verabreichten Menge nützliche oder schädliche Wirkungen haben können, ist es problematisch und oft unmöglich, sie in Nutzstoffe oder Schadstoffe einzuteilen.

Blühende Beales Mahonie an St. Severin in Frechen

Beales Mahonie wird auch Schmuckblatt-Mahonie oder Chinesische Mahonie genannt. Ein besonders schönes Exemplar blüht gerade an der Kirche St. Severin in Frechen.
Bild: Susanne Neumann

Eine prächtige Verwandte

Beales Mahonie (Mahonia bealei) zählt zu den prächtigsten größeren Gehölzen, die ab Februar eine eindrucksvolle goldgelbe Blütenpracht hervorbringen. Die Mahonie hat ihren Namen von einem englischen Händler und Gartenliebhaber namens Beale, der sie in seinem Garten in Shanghai kultivierte. Beales Mahonie wird auch Schmuckblatt-Mahonie oder Chinesische Mahonie genannt. Ein besonders schönes Exemplar blüht gerade an der Kirche St. Severin in Frechen.

 

Nachtrag vom 18. März: Nachträglich wurde der Satz entfernt, dass sich Berberitzen und Mahonien auch durch die Farbe ihrer Beeren unterscheiden. Tatsächlich sind die Beeren der Mahonien blau-schwarz uind die einiger Berberitzen-Arten rot, es gibt aber auch Berberitzen-Arten mit blau-schwarzen Beeren!

 

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