Bachem-Ausstellung im Stadtarchiv weckt Erinnerungen

Foto vom Maifest 1948 mit identifizierten und noch nicht identifizierten Personen

Besucher der Bachem-Ausstellung, die noch nicht identifizierte Person auf einem historischen Foto erkennen, schreiben die Namen auf einen Klebezettel zum Foto.
Bild: Susanne Neumann

Rosemarie Heeg erinnert sich noch gut an den 1. Mai 1957. Da standen die Burschen von der Maigesellschaft Bachem vor der Tür und wollten ihr zur Maigräfin gratulieren: In der Nacht zuvor hatte Toni Heeg in der Gaststätte Haus Bachem die zweithöchste Summe des Abends als Gebot für sie abgegeben – und sie und ihn damit zum Maigrafenpaar gemacht. Doch ihre Mutter war damit nicht einverstanden. „Da hat meine Tochter nicht mitgemacht“, hatte die versucht, die Jungs an ihrer Tür abzuwimmeln. „Eine Stunde lang haben die mit meiner Mutter diskutiert“, erinnert sich Rosemarie Heeg, die damals 17 Jahre jung war und mit Nachnamen noch Großmann hieß. „Und ich hab in der Ecke gestanden und geheult wie ein Schlosshund, weil ich so enttäuscht war, dass ich nicht mitmachen durfte.“ Doch schließlich überzeugten die Burschen ihre Mutter. Sie durfte Maigräfin werden – und sich zum Einheitspreis von 33,50 Mark bei Salamander auf der Hauptstraße in Frechen ein paar schicke Schuhe dafür kaufen. Toni Heeg wurde später ihr Ehemann.

Rosemarie Heeg vor Ausstellungstafel zur Maigesellschaft Bachem

Rosemarie Heeg aus Bachem war 1957 Maigräfin in Bachem. Ein Foto zeigt sie im Umzug über die Mauritiusstraße.
Bild: Susanne Neumann

Historische Fotos von Bachem zum Entdecken und Erinnern

Auf einem historischen Foto vom Umzug zum Maifest 1957, dem letzten Maifest in Bachem überhaupt, ist die junge Rosemarie Großmann abgebildet: Sie schreitet darauf als Maigräfin mit ihrem Toni hinter dem mit Blumen geschmückten Zweispänner her, der Maikönigin Anni Becker und Maikönig Jakob Fischer über die Mauritiusstraße kutschiert.

Das Foto von 1957 ist nur eines von Hunderten historischer Fotografien, die seit gestern im Stadtarchiv ausgestellt sind. „Frechener Stadtteile: Bachem“ lautet der Titel der Ausstellung. Mehr als drei Jahre lang haben Stadtarchivar Alexander Entius und eine Arbeitsgruppe aus ehrenamtlichen Mitarbeitern, darunter auch Rosemarie Heeg, historisches Material über den Frechener Ortsteil Bachem zusammengetragen. Heinz-Werner Fritz zum Beispiel hat rund 15 000 Fotos gesichtet. Und nur von mehreren Mitarbeiten zu bewältigen war die gewaltige Menge von rund 103 000 Zeitungsseiten, die ausgewertet werden wollten. „Am Ende mussten wir uns fragen, was wir überhaupt zeigen können“, erzählt der Stadtarchivar, „wir haben ja nur begrenzt Platz.“

Ausstellungstafel "Das Wimmarusbrünnchen"

Fotos, Zeitungsartikel und weitere Exponate zeigen in Collagen thematisch zusammengestellt die Geschichte von Bachem.
Bild: Susanne Neumann

Thematisch überschriebene Collagen von Bachem

Auf über 60 Ausstellungstafeln, die im Erdgeschoss des Stadtarchivs verteilt stehen, dokumentieren nun Fotos, Zeitungsartikel, Karten und viele weitere Exponate in Collagen zusammengestellt die Geschichte des Ortes, der schon im 9. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das vermutlich älteste Foto der Ausstellung datiert aus dem Jahr 1890 und zeigt das erste Wimarusbrünnchen unweit des Bauernhofs „Feldhof“, in dem Gottfried Doll zum Ende des ausgehenden 19. Jahrhunderts die Restauration „Zum Bachemer Brünnchen“ betrieb. Diese historischen Stätten liefern ebenso thematische Überschriften wie das Bachemer Orts- und vielfältiges Vereinsleben, die Braunkohle, die drei so genannten „festen Häuser“ Burg Bachem, Haus Bitz und Gut Hemmerich, die Bachemer Mühlen, die Mauritiusschule oder bekannte Persönlichkeiten aus Bachem.

Foto von 1890

Das wohl älteste Foto der Ausstellung über den Frechener Stadtteil Bachem zeigt das erste Wimarusbrünnchen um 1890 in der Nähe des Feldhofs.
Bild: Susanne Neumann

Wasser aus Bachem für das römische Köln

Auch der Archäologie Bachems ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. Josef Bucco, Mitarbeiter im Stadtarchiv und im LVR-Amt für Bodendenkmalpflege, hat unter anderem die Lage einer römischen Wasserleitung bestimmt, die Köln aus einer Quelle nahe des Feldhofs mit Wasser versorgte – früher noch als die römische Leitung aus der Eifel. Josef Bucco hat die Lage der historischen Wasserleitung rekonstruiert und in einer Karte eingezeichnet. Ein Teil dieser Wasserleitung ist noch im Keller der Sparkasse in Gleuel zu sehen.

Josef Bucco zeigt auf die Sparkasse in Hürth-Gleuel, in der ein Stück römische Wasserleitung zu sehen ist.

In Blau hat Josef Bucco die Lage einer römischen Wasserleitung in eine aktuelle Karte von Bachem eingezeichnet. Die Leitung versorgte das römische Köln mit Wasser aus einer Quelle nahe des Feldhofs in Bachem.
Bild: Susanne Neumann

Schatz ersteigert

Das wertvollste Exponat der Ausstellung ist ein knapp 300 Jahre altes Buch mit rund 250 Seiten, das sich dank der Unterstützung durch den Förderverein schon seit einigen Jahren im Besitz des Stadtarchivs befindet. Es enthält unter anderem die sorgsame Abschrift eines Zehntverzeichnisses aus dem Jahr 1504. Daraus ist detailliert ersichtlich, welche Ländereien es in Bachem gab, wie sie bezeichnet wurden und wer welchen Zehnten an ein Kloster oder eine Pfarrei abzugeben hatte.

Alexander Entius mit dem "Bachem Buch"

Das „Bachem Buch“ ist knapp 300 Jahre alt und nicht nur historisch besonders wertvoll. Mit Unterstützung des Vereins „Freunde und Förderer des Stadtarchivs Frechen“ und des früheren Stadtarchivars Hans Richartz konnten Stadtarchivar Alexander Entius (Bild) und Bernd Bochmann vom Förderverein das Buch im März 2012 bei einer Auktion in Köln ersteigern.
Bild: Susanne Neumann

Ehrenamtliche Mitarbeiter und Stadtarchivar

Mehr als drei Jahre hat eine Arbeitsgruppe des Frechener Stadtarchivs die Ausstellung über den Frechener Stadtteil Bachem vorbereitet.
Bild: Susanne Neumann

Das Stadtarchiv Frechen, Hauptstraße 110-112 präsentiert die Ausstellung „Frechener Stadtteile: Bachem“ vom 20. Oktober 2017 bis zum 19.April 2018 im Erdgeschoss. der Eintritt ist frei.

 

Anmerkung vom 20. Oktober: Der Autorin sind in der ersten Fassung dieses Beitrags zwei Fehler unterlaufen, die im Nachgang im Text geändert wurden:

  1. Es wurden „103 000 Zeitungsseiten“ durchgesehen, anstelle von „103 000 Zeitungsartikeln über Bachem“.
  2. Das „Bachem Buch“ ist knapp 300 Jahre alt statt 500. Richtig ist, dass es eine Abschrift eines Zehntverzeichnisses von 1504 enthält, die damit über 500 Jahre alte Informationen liefert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.