Neue Preise fürs Trinkwasser in Frechen ab Januar

eine Abrechnung

Wasserabrechnung der Rheinenergie,
Symbolbild: S. Neumann

Frechens Trinkwasserversorger, die Rheinenergie, hat ihr Modell zur Berechnung des Trinkwasserpreises überprüft und wird zum 1. Januar 2018 ein neues einführen. Sie senkt den Preis für den tatsächlich verbrauchten Kubikmeter Wasser und hebt im Gegenzug den Grundpreis bei der Wasserabrechnung an, sodass sich der Gesamtpreis fürs Trinkwasser künftig aus Grundpreis und Verbrauchspreis im Verhältnis 50:50 zusammensetzt. Unter dem Strich ändere sich dadurch für Haushalte mit mittlerem Wasserverbrauch kaum etwas, versichert der Energieversorger. Haushalte mit hohem Verbrauch würden dagegen entlastet und solche mit niedrigem Verbrauch zahlten zukünftig mehr (siehe Preisbeispiele der Rheinenergie unten).

Das sei „keine verkappte Preiserhöhung“, betonte Christoph Preuß, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Rheinenergie, auf der Sitzung des Ausschusses für Bauen, Verkehr und Umwelt (BVU) der Stadt Frechen am vergangenen Donnerstag. Für die Rheinenergie erfolge die Umstellung des Wasserpreises insgesamt erlösneutral. Sie sorge jedoch für eine gerechtere Kostenverteilung unter den Verbrauchern und außerdem für mehr Planungssicherheit bei Investitionen in die Trinkwasserversorgung.

Wasserqualität kein Thema

Im vergangenen Juni hatte die Frechener FDP um Erläuterung des geplanten neuen Preismodells für die Trinkwasserversorgung im BVU gebeten – zum einen, um die Konsequenzen für die Verbraucher in Frechen aufzuzeigen. Vor dem Hintergrund einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes über die Folgen einer zunehmenden Nitratbelastung des Grundwassers in etlichen Regionen Deutschlands wollte die FDP außerdem wissen, ob und welche Konsequenzen sich daraus für Kunden der Rheinenergie ergeben könnten. Die in der Studie geäußerte Sorge, dass sich die Trinkwasserversorgung in land-, insbesondere in viehwirtschaftlich, intensiv genutzten Räumen verteuern kann, wenn aufwendige Verfahren zur Verringerung der (…) Nitratbelastung eingesetzt werden müssten, sei zwar berechtigt, nahm Rheinenergie dazu bereits schriftlich Stellung. Dies gelte jedoch ausdrücklich nicht für die Trinkwasserversorgung der Rheinenergie, denn der Nitrat-Grenzwert werde im Versorgungsgebiet weit unterschritten. Mit Hinweis auf das laufende Verfahren zur Neuvergabe der Trinkwasserversorgung in Frechen lehnte die Rheinenergie am Donnerstag eine erneute Diskussion über die gelieferte Wasserqualität im BVU ab, wies jedoch noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass das neue Preismodell in keinem Zusammenhang damit stehe.

(Ausführlich berichtet der Beitrag „Anmerkungen zur Trinkwasserversorgung in Frechen“ auf Frechenschau.de über die Diskussion über die Qualität des Trinkwassers in Frechen.)

Familien mit Kindern entlastet

Diskutiert wurde nur das neue Preismodell, das der Kölner Trinkwasserversorger „fairer“ nennt, weil es die Kostenstruktur der Trinkwasserversorgung genauer abbilde: Die fixen Kosten, die Betrieb, Wartung und Instandhaltung von Wasserwerken, Brunnenanlagen und Leitungsnetz verursachten, machten 80 Prozent der Gesamtkosten für die Trinkwasserversorgung aus, und zwar unabhängig von der gelieferten Wassermenge, die variablen Kosten machten nur 20 Prozent aus. Bei der Zusammensetzung des Trinkwasserpreises verhalte es sich aber genau umgekehrt: „Derzeit zahlen unsere Kunden an fixen Kosten nur 20 Prozent und 80 Prozent über den Verbrauch“, erklärte Christoph Preuß. Aufgrund dieses sehr großen verbrauchsabhängigen Anteils würden diejenigen unangemessen hoch an den Gesamtkosten beteiligt, deren Verbrauch höher ausfalle. „Familien mit Kindern, die wegen mehr Wäsche und mehr Wasserbedarf für die einzelnen Personen zwangsläufig mehr verbrauchen müssen, haben Single-Haushalte mit geringerem Bedarf regelrecht subventioniert“, resümiert der Pressesprecher. „Das haben wir geändert. Grundkosten steigen, Verbrauchskosten sinken.“ Das System sei dabei nicht komplett ins umgekehrte Verhältnis gedreht worden, damit es immer noch einen wirtschaftlichen Anreiz gebe, sparsam mit dem Wasser umzugehen. Man habe das Verhältnis von Verbrauchs- und Grundpreis gemittelt, um nicht der Wasserverschwendung Vorschub zu leisten.

Belastung für Bewohner mit wenig Einkommen in kleinen Wohnungen

Zugrunde liegt dem neuen Preismodell eine Umstellung der Bemessungsgrundlage für den Grundpreis: Bei Wohngebäuden ist nicht mehr wie bisher die Zählergröße Faktor bei der Grundpreisberechnung, sondern die Anzahl der Wohneinheiten im Gebäude. Ein Einfamilienhaus entspricht dabei einer Wohneinheit, ein Sechsfamilienhaus beispielsweise sechs Wohneinheiten.

Bei Gewerbe- und Industriegebäuden wird anders als bei Wohngebäuden der Jahresverbrauch die Bemessungsgrundlage. Wie sich das neue Preismodell auf die Frechener Verbraucher auswirken wird, dafür hatte Rheinenergie Preisbeispiele mit in den BVU gebracht:

Preisbeispiel aus Präsentation "Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie", Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

Quelle: Präsentation „Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie“, Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

 

Schaubild aus Präsentation "Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie", Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

Quelle: Präsentation „Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie“, Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

 

Schaubild aus Präsentation "Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie", Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

Quelle: Präsentation „Das neue Wasserpreismodell der RheinEnergie“, Umweltausschuss Frechen, 7.12.2017

„Absolut unsozial“, schimpfte der CDU-Stadtverordnete Gerd Franken den Energieversorger aus. „Wieso erlaubt sich die Rheinenergie in Häusern, in denen mehrere Wohnungen sind, mehr abzukassieren?“ fragte der CDU-Mann und rechnete anhand der präsentierten Preisbeispiele gegen: In dem Sechsfamilienhaus zahlten sechs Wenig-Verbraucher für sechs mal 40 Kubikmeter Wasser, also 240 Kubikmeter, nach neuem Tarif zusammen 642 Euro im Jahr. Für den etwa gleichen Verbrauch, nämlich 250 Kubikmeter, zahlten die Verbraucher im Einfamilienhaus aber nur 419 Euro. Das Sechsfamilienhaus zahle also rund 50 Prozent mehr für die gleiche Wassermenge, überschlug Gerd Franken. „Das ist für mich in keinster Weise gerecht“, resümierte er und verwies auf Mehrparteienhäuser, in denen viele Rentner und Alleinstehende mit niedrigem Einkommen in kleinen Wohnungen lebten. Ausgerechnet die würden nach dem neuen Tarif über Gebühr zur Kasse gebeten.

Einfamilienhaus gleich Wohnung

Eine kleine Singlewohnung mit eigenem Wasseranschluss im Sechsparteienhaus verursache zunächst einmal nahezu die gleichen Grundkosten wie ein Einfamilienhaus, unabhängig vom Verbrauch, verteidigt Christoph Preuß das neue Preismodell der Rheinenergie. Die Hochrechnung des CDU-Ratsmitglieds Gerd Franken sei eine konstruierte, die sich in der Realität so nicht finde, nimmt er gegenüber Frechenschau.de zu dessen Vorwurf Stellung. „Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen gibt es in Mehrfamilienhäusern immer eine Durchmischung von kleineren und größeren Wohnungen mit mehr oder weniger Verbrauch. Wir müssen aber jederzeit für ein Mehrfamilienhaus die Bedarfsspitzen abdecken können und eine entsprechende Vorhaltung betreiben.“ Umgekehrt könne Rheinenergie ja vorrechnen, dass sie künftig in einem Mehrparteienhaus mit sechs großen Wohnungen und vielen Familien – also mit hohem Wasserverbrauch – im Vergleich zu bisher erhebliche Verluste hinnehmen müsse und weniger Erlöse habe. Doch: „Ein solches Beispiel ist ebenso unrealistisch, deswegen rechnen wir es auch nicht vor.“

Auch ökologisch fragwürde Botschaft

Als auch die sachkundige Bürgerin Gabriele Illig Bedenken äußerte, wies Christoph Preuß darauf hin, dass in Mehrparteienhäusern bei der Nebenkostenabrechnung immer noch der Grundkostenanteil auf die Größe der Wohnungen, also auf ihre Quadratmeterzahlen umgerechnet werden könnte. Dadurch zahlten dann zum Beispiel auch kinderlose Doppelverdiener oder alleinstehende Besserverdienende in großen Wohnungen über den Grundkostenanteil wieder mehr als ihre Nachbarn mit niedrigem Verbrauch in kleinen Wohnungen.

Doch auch Jürgen Weidemann von der SPD-Fraktion äußerte sich kritisch über das neue Preismodell des Energieversorgers – nicht nur aus sozialer Sicht. Auch aus ökologischer Sicht sende Rheinenergie eine fragwürdige und nicht mehr zeitgemäße Botschaft aus, die da laute: „Wassersparen lohnt sich nicht!“

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