Geschäfte dürfen zum Töpfermarkt am Sonntagnachmittag öffnen

Bitte nicht! – hatte Gudrun Schmidt-Esters, die Leiterin der Stiftung Keramion und damit Veranstalterin des Frechener Töpfermarktes, auf die Möglichkeit eines verkaufsoffenen Sonntags zum Keramikmarkt am kommenden Wochenende reagiert. Die sonntägliche Ladenöffnung rund um den Markt widerspreche dem Konzept, sich auf die Keramik und die Ausrichtung „keramischer Erlebnistage“ in und für Frechen zu konzentrieren. Mittelfristig werde sich eine parallele Sonntagsöffnung auf die Qualität und den Ruf des renommierten Keramikmarktes auswirken. So lautet der Tenor ihrer Stellungnahme vom 19. April zum schriftlichen Antrag des Aktivkreises Frechen vom 15. März, die Stadt Frechen möge einen verkaufsoffenen Sonntag anlässlich des 42. Frechener Töpfermarktes am 13. und 14. Mai genehmigen. Gestellt hatte den Antrag Cornel Lindemann-Berk, Aktivkreis-Vorsitzender und damit Interessenvertreter Frechener Einzelhändler. Der Stadtrat hatte die Entscheidung erst gestern auf der Tagesordnung. Früher hatte er nicht mehr getagt.

Töpfermarkt erfüllt alle rechtlichen Bedingungen

Obwohl Cornel Lindemann-Berk den Antrag ohne Rücksprache mit Gudrun Schmidt-Esters gestellt hatte, kam er so überraschend nicht. Denn gerade war das Stadtfest im Juni abgesagt worden und damit auch eine von vier Veranstaltungen im Jahr, in dessen Umfeld verkaufsoffene Sonntagen überhaupt möglich und maximal erlaubt sind. Als Ersatzveranstaltung eignet sich der Töpfermarkt bestens, zumindest wenn es darum geht, die von der Gewerkschaft Verdi diktierten Bedingungen für die Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags zu erfüllen. Und wie seitens des Aktivkreises immer wieder betont wird, leisten die Sonntagsöffnungen einen wichtigen Beitrag zu Kundengewinnung und Jahresumsatz des Frechener Einzelhandels. (Die Beschlussvorlage, der Antrag des Aktivkreises und die Stellungnahmen von Gudrun Schmidt-Esters und Verdi sind im Sitzungsdienst auf den Webseiten der Stadt Frechen abzurufen.)

„Wir sollten es mal ausprobieren“

„Wir sollten es mal ausprobieren“, plädierte Susanne Kayser-Dobiey (FDP) im Stadtrat für den verkaufsoffenen Sonntag zum Frechener Töpfermarkt. Vielleicht könnten sich der Markt und der Einzelhandel ja „gegenseitig befruchten“, nämlich dann, wenn die Ladenöffnung auch dem Markt zusätzliche Besucher beschere. Stefanie Geier (SPD), selbst Kunsthandwerkerin mit Ausstellererfahrung, sah das anders: „Menschen, die Kunsthandwerkermärkte besuchen, möchten sich nicht gleichzeitig eine Waschmaschine oder Socken kaufen“, erklärte sie und bat im Tenor mit ihrer Fraktion eindringlich darum, die Einzelhandelsgeschäfte am Sonntag geschlossen zu lassen.

Dass es eine nennenswerte Schnittmenge zwischen der Kundschaft des Frechener Einzelhandels und dem Publikum des Keramikmarktes gebe, hatte auch Gudrun Schmidt-Esters in ihrer Stellungnahme bezweifelt. „Eine inhaltliche Verbindung oder eine Ergänzung zwischen dem Angebot des Einzelhandels und dem Angebot des Marktes kann ich nicht sehen“, argumentierte sie gegen eine Ladenöffnung am Sonntag. “Im Sinne des Töpfermarktes ist nicht unbedingt die Anzahl der Besucher ein Qualitätsmerkmal, sondern vielmehr die der Interessenten und Käufer“, parierte sie das „vermeintlich positive Argument“, die geöffneten Einzelhandelsgeschäfte brächten auch mehr Publikum für den Markt.

Konkurrenz vom Siegburger Töpfermarkt

Weiter erinnerte sie daran, dass der Frechener Kulturausschuss ihr Konzept der Konzentration unterstützte, als das Keramion die Veranstaltung des Frechener Töpfermarktes im Jahr 2006 übernahm. „Alle Beteiligten waren sich einig, dass eine sonntägliche Verkaufsöffnung vom Töpfermarkt ablenken würde, und mir wurde versichert, dass die Stadt sich auf den Töpfermarkt als überregionale Veranstaltung konzentrieren möchte.“ Schließlich verwies Gudrun Schmidt-Esters auf den Siegburger Töpfermarkt, der auf alle Keramik-fremden Begleitveranstaltungen verzichte und mit einem neuen, konzentrierten Konzept den Vorsprung aufholen könnte, den sich der Frechener Töpfermarkt in den letzten Jahrzehnten in der Region und darüber hinaus aufgebaut habe.

Eindringlich bat Prof. Dr. Wilhelm Schröder (SPD), Ratsmitglied und Mitglied im Stiftungsrat des Keramions darum, die hervorragende Arbeit des Keramion-Teams für den Töpfermarkt und den Wunsch von Gudrun Schmidt-Esters zu respektieren und den Antrag abzulehnen. Doch am Ende entschieden die Ratsmitglieder mit knapper Mehrheit im Sinne des Aktivkreises und stimmten dem Antrag auf Genehmigung des verkaufsoffenen Sonntags zu – gegen die Stimmen von SPD, der Linken und auch von Bündnis 90/Die Grünen.

Verkaufsoffene Innenstadt von 13 bis 18 Uhr

Von 13 bis 18 Uhr dürfen die Geschäfte am 14. Mai nun an der kompletten Hauptstraße, an der Antoniterstraße, an der Dr. Tusch-Straße, an der Sternengasse, an der Rothkampstraße und an der Josefstraße öffnen.

In einer Pressemitteilung dankte Cornel Lindemann-Berk heute Morgen den Unterstützern von CDU, FDP und der Perspektive für Frechen. „Für die vielen Fachgeschäfte in Frechen ist es eine große Chance, den vielen überregional anreisenden Keramikbegeisterten ihr Angebot präsentieren zu können und neue Kunden zu gewinnen“, schreibt er.

Doch was für ein Angebot soll da eigentlich neue Kunden binden? Die Frechener Hauptstraße ist als Einkaufsmeile zumindest für Kundschaft von außerhalb unattraktiv, da nützt auch kein Töpfermarkt.

Abwägung „im Nachgang“

Es bleibt nur abzuwarten, ob der verkaufsoffene Sonntag sowohl den Einzelhändlern als auch dem Töpfermarkt nutzen und ihm mehr Interessenten und Käufer bringen wird. Oder ob er das keramikinteressierte Publikum und die Aussteller eher verschrecken wird. Im Vorfeld habe man das wegen der Kürze der Zeit alles nicht mehr abwägen können, aber „im Nachgang“ habe man die Möglichkeiten, die Erfahrungen und Eindrücke von Besuchern und Händlern auszuwerten, auch zusammen mit dem Keramion, hieß es auf Nachfrage aus dem Stadtrat seitens der Verwaltung.

Besser wäre es sicherlich gewesen, sich im Vorfeld auszutauschen. „Falls eine Konzeptänderung (weniger Konzentration und mehr Öffnung) des Töpfermarktes gewünscht wird, sollte man sich die Konsequenzen überlegen, die Umsetzung dazu auf die nächsten Jahre verschieben und das Keramion als bewährten Veranstalter nicht mitten in der Vorbereitungsendphase überraschen“, beendete Gudrun Schmidt-Esters ihre Stellungnahme zum Antrag auf Sonntagsöffnung. Für eine Reaktion auf den Ratsentscheid war sie heute nicht erreichbar. Doch für sie und ihr engagiertes Team, das dem Töpfermarkt weit über Frechen hinaus das heutige Renommee verschafft hat, dürfte die Entscheidung ein Affront sein.

„Keiner hat damit gerechnet, dass unser Antrag für das Keramion überhaupt ein Problem sein könnte“, entschuldigt Cornel Lindemann-Berk gegenüber Frechenschau.de, dass er vorher nicht gefragt hat. „Wir haben keine Notwendigkeit dazu gesehen.“ Stattdessen ist der Aktivkreis von hinten auf den Zug aufgesprungen. Und der Schaffner hat ihn durchgewinkt.

 

Nachtrag vom 11. Mai 2017:

Per Mail erreicht Frechenschau.de heute folgendes Statement von Gudrun Schmidt-Esters, der Leiterin der Stiftung Keramion, zur Genehmigung eines verkaufsoffenen Sonntags zum 42. Frechener Töpfermarkt: „Es ist enttäuschend und bedauerlich, dass sich die Verantwortlichen nicht für eine Konzentration auf ein keramisches Angebot an diesem Wochenende entschieden haben. Für mich bedeutet das ein falsches Signal.“

1 Kommentar

  • Bauschen Rudolf

    Ich finde den Frechener Keramikmarkt als eine gute Sache: aber ohne den anderen Geschäften einen offenen Sonntag einzuräumen. Offene Sonntag haben wir schon zu viele.
    Die Verantwortlichen sind ohne Einsicht und Verantwortung.

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