Neue Maßnahmen gegen den Schmutz vom Wachtberg

Schlot-Zusatzbedüsung auf dem Dach eines Fabrikgebäudes der Brikettfabrik Wachtberg, Foto: RWE Power

Schlot-Zusatzbedüsung im Test: An der Schlotkrone wird ein Sprühnebel erzeugt, der Kohlestaubpartikel binden soll, die der Dampf aus dem Schlot mitführt.
Foto: RWE Power

In der Fabrik Frechen, besser bekannt als Brikettfabrik Wachtberg, testet die Fabrikbetreiberin RWE Power AG derzeit eine „Schlot-Zusatzbedüsung“ gegen Kohlestaubemissionen. Bei dem Versuchsaufbau handelt es sich um eine Art Vernebelungsmaschine, die direkt an der Schlotkrone Wasser versprüht. Der Sprühnebel soll Kohlestaubpartikel binden, die unter bestimmten Umständen vermehrt aus den Schloten der Trockner, genauer der Brüden-Reinigungsanlagen, in die Umwelt entlassen werden. Ziel ist, dass sich der ausgestoßene (emittierte) Schmutz in unmittelbarer Nähe der Schlote auf dem Fabrikgelände niederschlägt statt weiter weg in der Nachbarschaft. Damit wäre der Verursacher dann auch selbst fürs Saubermachen zuständig.

Vertreter von RWE Power informierten einige Anwohnerinnen und Anwohner kürzlich bei einem gemeinsamen Treffen auf dem Fabrikgelände über diese und weitere Maßnahmen zur Reduzierung und Vermeidung von Kohlestaub und anderen Emissionen der Fabrik. Das Treffen, an dem auch Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie in NRW, als Bergverwaltung und zuständige Aufsichtsbehörde teilnahmen, fand bereits zum dritten Mal und unter der Überschrift „Nachbarschaftsdialog“ statt. Initiiert wurden diese informellen Treffen von Fabrikbetreiber, Aufsichtsbehörde und Nachbarn der Fabrik vor etwa einem Jahr als Reaktion auf wiederholte Beschwerden vor allem über erhöhte Kohlestaubniederschläge (Immissionen) in den benachbarten Wohngebieten. „Wir Anwohner_innen, die sich durch den Betrieb der Fabrik Frechen beeinträchtigt fühlen, sei es durch Lärm-, Geruchs- oder auch Staubbelastung, freuen uns darüber, dass der Betreiber uns und unsere Beeinträchtigungen ernst nimmt“, erklärt Anwohner Maximilian Singer im Nachgang des dritten Nachbarschaftsgesprächs. Er bedankt sich bei RWE für den „Umgang auf Augenhöhe“ und die freiwilligen Maßnahmen des Fabrikbetreibers zur weiteren Reduzierung von Emissionen. „Die seit gut einem Jahr in regelmäßigen Abständen stattfindenden gemeinsamen Treffen mit der Bezirksregierung Arnsberg (…) und RWE helfen, gemeinsam festzustellen, wo der Schuh drückt.“

Brikettfabrik Wachtberg, Foto RWE Power

In der „Fabrik Frechen“ auf dem Wachtberg veredelt RWE Power Rohbraunkohle zu Briketts und Kohlenstaub.
Foto: RWE Power

Beschwerden über Staubniederschläge

In dem Kohleveredelungsbetrieb der RWE Power in Frechen wird Rohbraunkohle aus dem Tagebau Hambach zu Kohlestaub als Brennstoff für industrielle Zwecke sowie zu Briketts verarbeitet. Die Rohbraunkohle besteht zur Hälfte aus Wasser und muss vor ihrer Verarbeitung getrocknet werden. Beim Trocknungsprozess entsteht ein Gemisch aus Luft und Wasserdampf ­ – Brüden genannt ­ -, der einen kohletypischen Geruch aufweist und Kohlestaubpartikel enthält. Mittels Elektrofiltern werden diese Staubpartikel eingefangen, bevor der Brüden die Schlote der Trockneranlagen verlässt. Wie der Fabrikbetreiber einräumt, kann es jedoch insbesondere dann zu einem erhöhten Ausstoß (Emission) von Kohlestaub kommen, wenn die Trockner heruntergefahren werden. Dies geschehe regelmäßig alle zwei bis drei Wochen, wenn die Elektrofilter gereinigt werden.

Im vergangenen Jahr wurde aufgrund der Beschwerden über Kohlestaubniederschläge in der Nachbarschaft die Steuerung der Brüden-Reinigungsanlage optimiert – Unternehmensangaben zufolge für einen Betrag von mehr als 2,5 Millionen Euro. Einstellungsprobleme, die ­ zunächst noch mehr statt weniger Kohlestaubemissionen verursachten, seien mittlerweile behoben, versicherten die RWE-Vertreter beim Nachbarschaftstreffen. Dennoch arbeite man weiter an der Verbesserung der Emissionssituation, wie aktuell mit dem Test der Schlot-Zusatzbedüsung beim Abfahren der Trockner. Bis zum nächsten Nachbarschaftsgespräch, das für den Sommer geplant ist, lägen belastbare Ergebnisse vor, versprach der Fabrikbetreiber.

Freiwillige Maßnahmen zur Kohlestaubreduzierung

Produktionsleiter Dr. Joachim Witzel erklärte den Anwohnern die Produktionsprozesse in der Fabrik und stellte die aktuellen Maßnahmen zur Reduzierung von Staubemissionen vor. So versuche man als eine weitere Maßnahme derzeit, die Luftströme in den Trocknern dahingehend zu optimieren, dass den Elektrofiltern mehr einzufangende Kohlestaubpartikel zugeführt werden. Einmal mehr wies Lothar Nigge von der Bezirksregierung Arnsberg darauf hin, dass alle Maßnahmen, die RWE zur weiteren Reduzierung von Staubemissionen der Fabrik ergreife, freiwillig seien. Wie berichtet, werden alle vorgeschriebenen Grenzwerte für Staubemissionen und -Immissionen eingehalten. Vereinzelte, deutlich stärkere Staubniederschläge in der Umgebung, die sich als rußiger Schmutzfilm zum Beispiel auf Fensterbänken, Gartenmöbeln oder parkende Autos bemerkbar machen, fielen bislang nicht ins Gewicht.

Sichtbare Emissionen verursacht auch das angeschlossene Kraftwerk der Fabrik Frechen, in dem zur Heißluft- und Energiegewinnung neben Kohle auch Klärschlamm mitverbrannt wird. Dabei entstehen giftige Rauchgase, die gereinigt werden müssen, bevor sie die Kamine des Kraftwerks verlassen. Wie Joachim Witzel erläuterte, werden die Emissionen des Kraftwerks permanent technisch überwacht und die Werte – ­ wie Lothar Nigge ergänzte ­ –  halbstündlich an die Bezirksregierung übermittelt. Überschreitungen müssten sofort gemeldet und das Kraftwerk notfalls abgeschaltet werden. Schmutziger, dunkler Rauch, den Anwohner immer mal wieder aus den Schornsteinen des Kraftwerks steigen zu sehen glaubten, sei nur ein optisches Phänomen, versicherte Joachim Witzel auf Nachfrage eines Anwohners. „Die Emissionswerte sind immer gleich.“

Chemischer Geruch stammt nicht von der Fabrik

Karl-Heinz Stauten, der Leiter des RWE-Geschäftsfelds Veredelung, dankte den Anwohnern für ihre Hinweise und Anregungen und ermunterte sie, die extra eingerichtete 24-Stunden-Hotline der Fabrik rege zu nutzen – sei es bei Staub-, Lärm- oder Geruchsbelästigung. Nur so könne das Unternehmen weiter an der Verbesserung der Emissionssituation arbeiten. In diesem Zusammenhang berichtete Karl-Heinz Stauten, dass man aufgrund von Beschwerden über einen unangenehmen Geruch, der vermeintlich von der Fabrik komme, derzeit der Quelle dieser Geruchsbelästigung nachspüre. Er und seine Mitarbeiter seien diesem „eher chemischen Geruch“ sogar schon mehrfach hinterhergefahren, sobald er aufgetreten sei. „Da sind wir detektivisch unterwegs.“ Den Verursacher dieses typischen Geruchs hätten sie aber noch nicht verorten können. Sicher sei bislang nur, dass der Geruch nicht von der Fabrik stamme, das habe man bereits feststellen können.

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