Drehort Linden-Theater

Unsere wuderbaren Jahre 2, Drehort Linden-Theater, Ankunft Damian Hardung

Dreharbeiten am Linden-Theater: Darsteller Damian Hardung spielt die Ankunft seiner Filmfigur Winne am Kino, wo er sich mit Gabriela verabredet hat. Die Szene wird im Rücken des Darstellers gedreht.
Foto: S. Neumann/frechenschau.de

Ein lautes Kommando von Regisseurin Mira Thiel startet den Dreh: „Und bitte!“ Schauspieler Damian Hardung setzt sich in Bewegung. Die qualmende Kippe zwischen den Lippen schlägt er den Kragen seiner Lederjacke hoch, während er mit großen Schritten über den Vorplatz des Linden-Theaters auf die Glastüren am Eingang zugeht. Kamera(mann) und Mikro(träger) folgen ihm auf den Fuß. Falls die Szene später nicht rausgeschnitten wird, wird man Damian Hardungs Filmfigur „Winne“ bei ihrer Ankunft am Kinoeingang also von hinten und das Linden-Theater von vorne sehen. Allerdings wird es im Film nicht das Frechener Kino sein, sondern ein Kino im westfälischen Altena Ende der 1960er Jahre. Dort trägt sich die (fiktive) Geschichte der Fabrikantenfamilie Wolf zu, die in einer zweiten Staffel der ARD-Fernsehserie „Unsere wunderbaren Jahre“ nach dem gleichnamigen Roman von Peter Prange fortgesetzt wird.

Starbesetzung

Katja Riemann spielt darin die Rolle der Christa Wolf, Chefin des Familienunternehmens „Vereinigte Stahlwerke Altena“. Tochter Margot, gespielt von Anna Maria Mühe, und deren rebellischer Sohn Winfried, genannt Winne (Damian Hardung), wohnen bei Christel in der Familienvilla. Christel sieht in ihrem Enkel ihren Nachfolger; auf ihren Druck hin steigt Winne im Laufe der Geschichte widerwillig in die Firma ein. Als sein Stiefvater Walter Böcker (Hans-Jochen Wagner), ehemaliger Kompagnon der Wolf-Werke und Alt-Nazi, aus Argentinien zurück nach Altena kommt, bringt er die 19-jährige Gabriela (Rocio Luz) mit, Tochter einer befreundeten Familie aus Buenos Aires. Und schon bald hat Winne nur noch Augen für Gabriela …

Rocio Luz und Damian Hardung treffen sich als Winne und Gabriela am Drehort im Linden-Theater

Beim Rendezvous im Kinofoyer knistert es sichtlich zwischen Gabriela, gespielt von Rocio Luz, und Winne, dargestellt von Damian Hardung.
S. Neumann/frechenschau.de

Soviel nur zum Inhalt der sechsteiligen zweiten Staffel von „Unsere wunderbaren Jahre“. Die erste Staffel wurde von Elmar Fischer in 2019 inszeniert und gedreht und im März 2020 in drei Doppelfolgen im Ersten ausgestrahlt.  Die Dreharbeiten für die zweite Staffel unter der Regie von Mira Thiel haben in diesen März begonnen und werden noch bis Juni an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen stattfinden. Am vergangenen Donnerstagabend gab das denkmalgeschützte Kino Linden-Theater in Frechen die Kulisse für das erste Rendezvous von Winne und Gabriela.  „Das original erhaltene Foyer passt perfekt in unsere historische Szenerie der 60er-Jahre“, schwärmt der ausführende Produzent Eike Adler.

Unsere wunderbaren Jahre, Dreh im Linden-Theater, Regisseurin Mira Thiel gibt Anweisungen

Szeneprobe am Einlass: Regisseurin Mira Thiel spricht mit Damian Hardung und Rocio Luz die Bewegungsabläufe durch.
S. Neumann/frechenschau.de

Drehteams arbeiten effizient

Das Linden-Theater wurde 1957 als seinerzeit fünftes Kino in Frechen eröffnet. Seit 1993 steht es unter Denkmalschutz. Immer mal wieder diente es als Drehort für kleinere und auch größere Filmproduktionen – für den Kinobetreiber Linden-Theater e.V. eine zusätzliche Einnahmequelle. „Wir haben relativ oft kleinere Drehs für Fernsehproduktionen der Privatsender, zum Beispiel oft ‚Auf Streife‘“, erzählt Carsten Kurz vom Vereinsvorstand. Die Teams dieser Produktionen arbeiteten sehr effizient. „Die rauschen rein, sind nach zwei Stunden wieder weg und machen nur ein Minimum an Aufwand.“ Da das Kino unter Denkmalschutz stehe, sei es kritisch, wenn aufwendigere Änderungen in der Kinoausstattung nötig seien. „Wenn die Drehteams erstmal vor Ort sind, haben die aus Zeitdruck gerne schnelle Lösungen und man muss denen ständig auf die Finger gucken, damit man nicht hinterher böse Überraschungen erlebt“, berichtet Carsten Kurz. „Trotzdem machen wir das gerne, solange es nicht überhandnimmt.“

Komparsen beim Dreh im Linden-Theater für Unsere wunderbaren Jahre 2

Komparsinnen und Komparsen geben Kinobesuchende und -personal.
Foto: S. Neumann/Frechenschau.de

Authentische Kulisse

Für die Rendezvous-Szene in „Unsere wunderbaren Jahre“ wurden in den Schaukästen zeitgemäße Filmplakate aufgehängt (in Wirklichkeit gab es die Titel „Hella“ und „Der Mann mit zwei Leben“ so aber nicht), einige Komparsinnen und Komparsen im 60er-Jahre-Outfit, die Kinobesuchende und -personal mimten, ein paar abgestellte Fahrräder sowie ein Motorrad aus jener Zeit vor dem Eingang und ein Popcornstand am Einlass komplettierten die authentische Kulisse.

„Im Normalfall können wir Produktionen gute Drehbedingungen bieten, da wir typisch nur eine Vorstellung am Tag haben und der größte Teil des Tages ohne Vorstellungsausfall oder Störungen zu Verfügung steht“, erklärt Carsten Kurz. Auch der eigene Parkplatz am Haus sei für die Drehteams von Vorteil. „Manchmal müssen bei Abenddrehs aber auch mal Vorstellungen ausfallen, was die Produktionen extra honorieren müssen.“ So auch vergangene Woche: „Donnerstag, 07.04.2022 keine Vorstellung“, informierte der Linden-Theater-Verein auf seiner Website.

Popkornstand Dreh Linden-Theater, Unsere wunderbaren Jahre

Kino in den 1960ern: Popcorn gehörte schon damals dazu.
S. Neumann/frechenschau.de

Kino made in Frechens Kino

Zu den größeren Filmproduktionen, für die im Linden-Theater schon gedreht wurde, zählt die 2014 erschienen Kinokomödie „Dessau Dancers“, die vom Breakdance-Boom in der DDR der 1980er-Jahre erzählt. Für das Biopic „Mach dein Ding“ über Udo Lindenberg wurde im Kinosaal gedreht. Übrig geblieben sei darin aber nur eine so kurze Sequenz, dass selbst Stammkundschaft des Linden-Theaters ihr Kino in dem Film nicht erkannt hätten, erzählt Carsten Kurz. Zuletzt seien für ‚The Middle Man‘ von Bent Hamer etliche Szenen im Saal und im Vorführraum des Linden-Theater gedreht worden. „Was davon im Film auftaucht, weiß ich nicht, da der Film noch nicht veröffentlicht wurde, er lief nur einmal auf dem Film Festival Cologne im letzten Herbst.“

Wann und wie gut erkennbar das Linden-Theater in „Unsere wunderbaren Jahre 2“ zu sehen sein wird, werden Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer im nächsten Jahr herausfinden können. Dann sollen die sechs Folgen (á 45 Minuten) der 2. Staffel zur Primetime in der ARD ausgestrahlt und in der Mediathek bereitgestellt werden.

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