Keramik der ersten Stunde aus 50 Jahren Keramion – die Sammlung Cremer

Exponate aus der Sammlung Cremer zur Jubiläumsausstellung im Keramion

Links vorne: Schale (1953) von Richard Bampi (*1896), dem ältesten ausgestellten Keramiker, dahinter erhöht: Plastik (1970) von Dieter Crumbiegel, rechts vorne: Weiße Gazelle (1953) von Arno Lehmann, hinten rechts: Platte (1967) von Rolf Weber
Foto: S. Neumann

„Keramion – das gibt es nur in Frechen“ überschrieb die Neue Rhein-Zeitung vom 4. Oktober 1971 einen Bericht über die feierliche Eröffnung der „Galerie für zeitgenössische keramische Kunst“. Und der Kölner Stadt-Anzeiger zitierte den damaligen Frechener Stadtdirektor Heinz Filz mit den Worten: „Hier ist, und das darf deutlich festgestellt sein, ohne in provinzielle Euphorie zu verfallen, ein kultureller Sammelpunkt Wirklichkeit geworden.“ Mit der Eröffnung des Keramions am Samstag, den 2. Oktober 1971, wurde – so steht zu lesen – „zum erstenmal in Deutschland die Möglichkeit geschaffen, einen umfassenden Überblick zu geben über den Stand und die Vielfalt künstlerischer Gestaltung mit keramischen Mitteln und Materialien.“

Kopien der Presseartikel über das historische Ereignis sind Teil der Ausstellung, die aktuell und anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Keramikmuseums im Untergeschoss des Keramions zu sehen ist. Ihr Titel: „Keramik der ersten Stunde“. Die Präsentation widmet sich den Exponaten der Eröffnungsausstellung von 1971: Keramiken aus der Sammlung des Frechener Steinzeugunternehmers und Mäzen Dr. Gottfried Cremer.

Der Chef der Unternehmensgruppe Deutschen Steinzeug Cremer & Breuer hatte das Keramion gegründet, um seine stetig wachsende Sammlung moderner keramischer Kunst zu präsentieren. Erbaut wurde die Galerie in Gestalt einer Töpferscheibe nach den Plänen des Kölner Architekten Peter Neufert und des jüngst verstorbenen Ingenieurs Stefan Polóny.

Sammlung Cremer: Keramische Kunst

Der Ausstellungskatalog, der 1972 mit dem Titel „Zeitgenössische Keramik in Frechen“ erschien, stellte 28 Künstlerinnen* mit Fotos und Lebensläufen vor, sortiert nach ihrem jeweiligen Geburtstjahr. Die aktuelle Ausstellung im Untergeschoss des Keramions greift die Chronologie der im Katalog von 1972 präsentierten Keramikerinnen* nach ihrem Geburtsjahr auf: So beginnt sie mit Arbeiten des Künstlers Richard Bampi, geboren im Jahr 1896, der einer der ersten war, die die Gefäßkeramik als eigenständige, den bildenden Künsten gleichgestellte Kunstgattung verstanden. Dabei trat der praktische Gebrauch der Keramiken gegenüber der plastischen Qualität in den Hintergrund.

Keramik von Crumbiegel, Derckum und Sturm in der Jubiläumsausstellung "Keramik der ersten Stunde" zu 50 Jahren Keramion

Rechts: Plastik (1970) von Dieter Crumbiegel, links: Vasen (1961/1962) von Kurt Derckum, dahinter erhöht: Gefäßplastik (1970) von Robert Sturm
Foto: S. Neumann

Die meist spät in den 1960er Jahren entstandenen Exponate reichen von Arbeiten der stilbildenden Künstler wie Richard Bampi oder auch Jan Bontjes van Beek über salzglasierte Stücke der traditionsverhafteten Elfriede Bazar-Kopp oder Wim Mühlendyck bis zu den bildhauerischen Objekten von Robert Sturm oder Dieter Crumbiegel. Vertreten ist auch die sogenannte „London-Gruppe“ mit Keramiken u.a. von Ursula und Karl Scheid oder Beate Kuhn. So spiegeln die präsentierten Stücke nicht nur die Töpfereikunst um 1970 wider, sondern bieten auch einen Überblick über den Beginn von Cremers Sammelleidenschaft. „Das Nebeneinander von Werken arrivierter und nachfolgender Keramiker:innen macht den Reiz der Ausstellung aus und verortet verschiedene Entwicklungsschritte technischer, formaler und inhaltlicher Art in ihrem zeitlichen Umfeld“, erfahren die Besucher der Ausstellung.

Keramik aus der Heimat

Den Abschluss bilden Arbeiten von sechs Künstlerinnen* aus dem Raum Köln, denen auch ein Kapitel im Katalog von 1972 gewidmet war, darunter Brigitte Schulze-Köppel, die das Motiv für den Einband des Katalogs lieferte: das abstrahierte Dekor einer ihrer Flaschenvasen von 1971. Die junge Töpferin war 1971 nach ihrer Ausbildung in die Hüchelner Straße 49 in Frechen gezogen, wo sie wohnte und eine Werkstatt hatte. „Dort drehten sich zwei Töpferscheiben“, erinnert sich die Künstlerin in ihrem persönlichen Beitrag zum 50. Jubiläum des Keramions, der ebenfalls in der Ausstellung aushängt. Die gebrannten „Pötte“ seien in Köln in der Töpferei Christophstraße verkauft worden und auch auf dem Töpfermarkt. Nach ihrem Umzug im Frühjahr 1979 sei die Werkstatt dann das Atelier des Bildhauers Olaf Hönig geworden, der unter anderem den Klüttenbrunnen schuf.

Keramik aus Frechen - Arbeiten von Gertrud Schneider-Kirilowitsch und Brigitte Schulze-Köppel

Keramikerinnen aus Frechen: Vasen (alle 1971) von Gertrud Schneider-Kirilowitsch (l.) und Brigitte Schulze-Köppel, deren Flaschenvase (M.) auch als Motiv für den Einband des Eröffnungskatalogs mit dem Titel „Zeitgenössische Keramik in Frechen“ (1972) diente.
Foto: S. Neumann

Zu den Exponaten aus dem Kölner Raum zählen schließlich auch einige von Gertrud Schneider-Kirilowitsch, die bis zu ihrem Tod im Oktober 2017 zusammen mit ihrem zwei Jahre zuvor verstorbenen Ehemann, dem Bildhauer Attila Kirilowitsch, in Frechen lebte und wirkte.

(Quelle: Der Text basiert auszugsweise auf Informationstafeln zur Ausstellung „Keramik der ersten Stunde“ im Keramion)

Update vom 21. April 2021: Das Museum musste heute wegen Corona bis auf weiteres für Besucherinnen* geschlossen werden.

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