„Wir wollen uns mehr auf die Stärken von Frechen stützen.“

Peter Metz, Björn Goetze und Volker Janzen im Ratskeller in Frechen

Im Ratskeller in Frechen trafen sich Peter Metz, Björn Goetze und Volker Janzen (v.l.) vom neu gewählten Vorstand vom Aktivkreis Frechen mit Frechenschau.de zum Gespräch.
Foto: Susanne Neumann

Der Aktivkreis Frechen e.V. ist ein Zusammenschluss Frechener Einzelhändler, Unternehmer und auch privater Unterstützer, die an einer attraktiven Innenstadt interessiert sind und sich dafür engagieren. Ende Januar wählten die Aktivkreis-Mitglieder einen neuen Vorstand.Den langjährigen ersten Vorsitzenden Cornel Lindemann-Berk löste Volker Janzen ab. Der Buchhändler stammt aus Köln und lebt mit seiner Familie in Frechen. Bis vor zwei Jahren war Volker Janzen in der Mayerschen Buchhandlung auf der Frechener Hauptstraße tätig. Derzeit arbeitet er in Dormagen. Zweiter Vorsitzender ist Peter Metz, der in dieser Funktion Niklas Geuer abgelöst hat. Er ist Mitarbeiter im Frechener IT-Unternehmen Goetze Media, sein Chef Björn Goetze ist ebenfalls Vorstandsmitglied des Aktivkreises und engagiert sich wie Peter Metz im Frechener Kino „Linden-Theater“. Mit allen Dreien sprach und plauderte Susanne Neumann über alte und neue Herausforderungen in Sachen Frechener Einkaufsmeile. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Gespräch.

 

Frechenschau.de: Herr Janzen, bei unserer Verabredung zum Interview haben Sie gesagt: ‚Wir erfinden uns gerade neu.‘ Was haben Sie damit gemeint?

Volker Janzen: Neuerfindung bedeutet für uns vor allem, als Vorstand neu zusammenzufinden, um uns als Team für unsere Stadt einzusetzen … Herr Metz, Herr Goetze, Marianne Carrié nicht zu vergessen …

(Anm.d.R.: Unternehmerin Marianne Carrié führte mit ihrem Mann ein Spielwarengeschäft auf der Frechener Hauptstraße, das im Jahr 2007 von einem Brand zerstört und danach nicht wieder eröffnet wurde.)

Peter Metz: Frau Carrié ist zwar kein Vorstandsmitglied aber im Beirat. Und sie ist eines unserer aktivsten Mitglieder. Wir profitieren sehr stark von ihren Erfahrungen.

Metz: Zur Neuerfindung gehört auch, dass wir als Aktivkreis-Vorstand wieder mehr mit anderen interagieren möchten. Wir haben in den letzten Wochen schon einige Gespräche geführt mit Parteien und Organisationen. Wir bekommen zwar auch viel Kritik zu hören, dass es in den letzten Jahren vielleicht etwas ruhig geworden ist um den Aktivkreis. Aber sie nehmen es alle sehr positiv auf, dass wir bemüht sind, auf alle zuzugehen.

Janzen: Auf unserer To-Do-Liste steht zum Beispiel auch noch das Gespräch mit den beiden großen Kirchen. Gerade auch im Hinblick auf die verkaufsoffenen Sonntage, weil sich die katholische Kirche ja klipp und klar gegen jedwede Sonntagsöffnung wehrt. Die schmerzlich vermissen, dass der Aktivkreis mit ihnen bisher nicht wirklich Kontakt aufgenommen hat. Das werden wir zeitnah tun.

Haben Sie auch schon Kontakt zur türkischen Gemeinde aufgenommen?

Metz: Das ist ein weiterer Punkt. Wir haben eine sehr starke türkische Gemeinde hier in Frechen, wir haben auch eine sehr starke griechische Gemeinde. Da müssen wir auch noch was machen. Vor allem, weil wir ja auch in der Fußgängerzone ganz viele ausländische Akteure haben. Es ist natürlich sehr spannend, auch in dieser Richtung integrativ mitzuwirken.

Leere Läden in der Frechener Fußgängerzone

Viele Ladenlokale in der Frechener Fußgängerzone stehen leer, einige seit Jahren.
Foto: Susanne Neumann

Vielerorts verlieren Innenstädte als Versorgungs- und Einkaufszentren an Zugkraft. Frechen ist da keine Ausnahme. Wir haben viele leerstehende Ladenlokale, Billigketten lösen inhabergeführte Geschäfte ab. Ihr Vorgänger Cornel Lindemann-Berk hat seit Jahren die Umgestaltung der Fußgängerzone angemahnt und immer wieder auf bestimmte Probleme für die Einzelhändler hingewiesen: Auf die Konkurrenz des Onlinehandels, auf die Schwierigkeit, verkaufsoffene Sonntage durchzuführen, oder darauf, dass strenge Sicherheitsvorkehrungen attraktive Stadtfeste und Märkte torpedierten. Wie gehen Sie diese Themen jetzt an?

Metz: Auch das gehört zur Neuerfindung. Wir haben uns überlegt, dass es kontraproduktiv ist, immer nur über die schlechten Seiten der Stadt zu sprechen. Wir wollen uns mehr auf die Stärken von Frechen stützen und diese auszubauen. Wir haben so viele Gäste von außerhalb, die sagen: ‚Habt ihr eine schöne Fußgängerzone‘. Ja, sie ist manchmal etwas schmutzig und ja, sie hat ein paar Stellen, die man verbessern sollte.

„Es nützt nichts eine Stadt schlecht zu reden.“ (Peter Metz)

Aber insgesamt haben wir – auch jetzt bei unserer Unterschriftenaktion für den Erhalt des Parkhauses Josefstraße – festgestellt: Es kommen so viele Gäste aus Pulheim, aus Kerpen, aus Brauweiler oder auch aus Widdersdorf zu uns, die uns sagen: ‚Wir kommen hierher, um bei gutem Wetter zu flanieren, weil wir gratis parken können, weil wir eine schöne Fußgängerzone haben.‘ Wir versuchen uns in Zukunft mehr auf diese positiven Dinge zu konzentrieren und auch eine positivere Außenwirkung für Frechen zu realisieren. Es nützt nichts eine Stadt schlecht zu reden und tot zu sprechen.

Übergabe der Unterschriften für Sanierung und Erhalt vom Parkhaus Josefstraße im Rathaus

4239 Unterschriften sammelte der Aktivkreis Frechen für den Erhalt und die Sanierung des Parkhauses Josefstraße. Mitte März übergaben Peter Metz (2.v.l.), zweiter Vorsitzender, Volker Janzen, erster Vorsitzender, Marianne Carrié und Björn Goetze vom Aktivkreis die Unterschriftenlisten an Bürgermeisterin Susanne Stupp (l.).
Foto: Susanne Neumann

Deswegen sind wir auch für den Erhalt des Parkhauses. Das Parkhaus ist ein positiver Teil für unsere Stadt, der auch wichtig für die gesamte Innenstadt ist, für die Einzelhändler und auch für den Stadtsaal und dessen Besucher.

Mit der Unterschriftenaktion für den Erhalt des Parkhauses Josefstraße haben Sie als neuer Aktivkreis-Vorstand losgelegt. Es gibt einen Investor, der das C&A-Gebäude in der Fußgängerzone abbrechen und dort einen Neubau errichten will. Als zweite Variante hat er vorgeschlagen, besagtes Parkhaus daneben einzubeziehen und abzureißen und dort ein Gebäude mit Wohnungen und Geschäften zu bauen. Dort könnte also vielleicht etwas realisiert werden, was Frechen auch dringend braucht, nämlich Wohnraum.

„In der Innenstadt ist das Parkhaus für uns Gewerbetreibende und die Besucher zehnmal wichtiger als ein zusätzliches Wohnhaus“ (Peter Metz)

Metz: In der Innenstadt ist das Parkhaus für uns Gewerbetreibende und die Besucher zehnmal wichtiger als ein zusätzliches Wohnhaus, das es in den umliegenden Straßen genauso gut geben könnte. Eine deutliche Verringerung der Parkplätze wäre ein Todesurteil für die Innenstadt.

In der Tiefgarage unterm Rathaus ist selbst an einem Freitagnachmittag oder Samstagmorgen noch massenhaft Platz. Und da ist man direkt in der Innenstadt.

Metz: Das ist richtig, das liegt aber auch daran, dass der kostenpflichtig ist.

Ja, ich glaube 1 Euro die Stunde …

Metz: Wir haben im Stadtsaal neben dem Parkhaus Veranstaltungen mit 400 Leuten. Wo sollen die denn parken? Ein Ausweichparkplatz wäre der an der Matthiasstraße, aber dass ältere Herrschaften von dort aus 500 Meter mit ihren Rollatoren zum Stadtsaal laufen sollen, das ist für mich ein Unding.

Zu einer attraktiven Innenstadt gehört auch ein guter Branchenmix. Da hat die Frechener City Nachholbedarf.

Metz: Wichtig ist, dass die Einkaufsmöglichkeiten für jüngere Personen wieder interessanter werden, wir bräuchten Mode für junge Leute und dann auch für 16- bis 25-Jährige. Da gibt es die Option, ein paar andere Jeansläden oder Ähnliches in die Innenstadt zu bekommen. Wir haben ja einige Leerstände, mit denen sich das hoffentlich realisieren lässt.

Janzen: Es gibt auch die Überlegung, leerstehende Lokale als Popup-Stores zu nutzen.

Was sind Popup-Stores?

Janzen: Kurzzeitig angemietete Läden für Saisonware, für einen Kalendershop zum Beispiel oder für Grill- oder Gartenmöbel. Da hätten auch Einzelhändler wie das Möbelhaus Porta draußen im Gewerbegebiet die Möglichkeit, sich in der Innenstadt zu präsentieren. Oder neue Einzelhändler, um vielleicht mal etwas zu probieren.

Tiefgarage Rathaus Center Frechen

Die Tiefgarage im „Rathaus Center Frechen“ an einem Samstagmittag Anfang 2019 noch vor Ladenschluss: Ausreichend Platz fürs Parken mitten im Zentrum. Foto: Susanne Neumann

Metz: Aber das wäre eine Aufgabe der städtischen Wirtschaftsförderer, sich ans Telefon zu hängen, um die Akteure zusammenzubringen. Briefe schreiben nutzt nichts, die landen direkt im Papierkorb. Aber wenn man das vierte Mal anruft, dann erreicht man irgendwann jemanden.

Janzen: Wenn man an die Adressen käme, könnte man auch als Aktivkreis versuchen, Kontakte zwischen Besitzern und Mietinteressenten herzustellen. Wir wären bereit dazu und könnten in diesem Fall sogar die Women-Power liefern. Aber das scheitert am Datenschutz.

Björn Goetze: Da hoffen wir jetzt mit Bürgermeisterin Susanne Stupp zusammenarbeiten zu können, weil sie die Aufgabe ja jetzt erstmal übernommen hat.

(A.d.R.: Die beiden Mitarbeiterinnen der städtischen Wirtschaftsförderung haben ihre Beschäftigung dort vor kurzem beendet.)

„Wir haben Anwohner, die sich bei allem, was nach 20 Uhr stattfindet, direkt beschweren. (…) Da müsste die Stadt definitiv agiler sein und sagen: ‚Wir machen das jetzt trotzdem.'“ (Peter Metz)

Wie sieht es mit mehr Außengastronomie in der Fußgängerzone aus? Das ist auch ein wichtiger Wohlfühlfaktor attraktiver Innenstädte. Und der große Platz unter den Platanen vor Rathaus und Stadtbücherei schreit doch nach Biergartengastronomie, finde ich!

Janzen: Der Platz direkt vor dem VHS-Gebäude gegenüber dem Kiosk würde sich auch gut für Außengastronomie eignen. Der ist im Sommer auch schön besonnt.

Goetze: Nur für Außengastronomie nimmt die Stadt direkt wieder Gebühren.

Metz: Da wäre die Gebührenordnung der Stadt vielleicht zu überdenken. Aber bei Biergartengastronomie hat man gegen Abend auch immer das Problem mit der Lautstärke. Es gibt Anwohner, die sich bei allem, was nach 20 Uhr stattfindet, direkt beschweren. Das sind alles Punkte, da müsste die Stadt definitiv agiler sein. Und vielleicht sagen: ‚Wir machen das jetzt trotzdem – auch, wenn es mal eine Beschwerde gibt.‘

Antoniterstraße und Hauptstraße mit Außengatronomie im Winter

Auch im Winter nutzen viele Gäste das Angebot von Gastronomen auf der Antoniterstraße und Hauptstraße, sich vor dem Café oder Restaurant in die Sonne zu setzen.
Foto: Susanne Neumann

Der Aktivkreis organisiert seit vielen Jahren regelmäßig Stadtfeste und Märkte, beziehungsweise er beauftragt Veranstalter mit der Organisation. Für dieses Jahr sind zwei deutsch-niederländische Stoffmärkte geplant, am 4. Mai mit Frühjahrsstoffen und am 8. September mit der Herbstmode, ein Wein- und Genussmarkt am 12. und 13. Oktober steht an und der Martinsmarkt am 2. und 3. November. Das Stadtfest musste für dieses Jahr wieder abgesagt werden –  wie schon einmal vor zwei Jahren. Wollen Sie das irgendwann wiederbeleben? Oder ist das ein totes Pferd?

Metz: In jedem Fall sollte ein Stadtfest zu einer Stadt dazugehören. Wir werden jetzt auch mit anderen Anbietern sprechen im Laufe des Jahres, um im nächsten Jahr eventuell wieder eins zu realisieren. Vielleicht auch mit einem neuen Konzept.

Goetze: Aber leider reicht uns die Zeit bis zum Sommer dafür nicht mehr.

Metz: Was uns ein bisschen fehlt, ist die Unterstützung der Stadt. In einigen Städten werden die Stadtfeste seitens der Stadt organisiert. So eine Stadtmarketinggesellschaft wäre auch in Frechen nochmal ganz nett …

Da gibt es ja auch einige Parteien, bei denen Sie mit dieser Idee offene Türen einrennen …

Metz: Genau. Es muss ja auch keine Gesellschaft sein, es kann ja auch eine einzelne Person sein, die wir als festen Ansprechpartner hätten.

Janzen: So eine Art Citymanager …

Metz: … den man mit Ideen ansprechen kann, der städtische Unterstützung anbieten könnte. Wir sind offen für neue Ideen, aber wir möchten uns auch darauf verlassen können, dass wir unterstütz werden bei unseren Bemühungen, die Stadt zu verbessern. Es ist noch ein weiter Weg. Die Stadt hat diverse Probleme, wir haben diverse Probleme mit der Stadt, aber die werden wir lösen. Weil wir noch mehr in Kommunikation treten werden.

Stoffmarkt September 2017

Der alljährliche deutsch-niederländische Stoffmarkt, der in diesem Jahr zweimal stattfinden soll, kommt laut Aktivkreis-Vorstand gut an in Frechen.
Foto: Susanne Neumann

Kommen wir mal auf das Thema „Verkaufsoffene Sonntage“ – ein großes Thema Ihres Vorgängers Cornel Lindemann-Berk, der immer betont hat, wie wichtig die verkaufsoffenen Sonntage für die Belebung der Frechener Innenstadt sind. Jetzt sind aufgrund des sogenannten „Entfesselungspakets“ der neuen Landesregierung ja sogar acht statt vier offener Sonntage im Jahr möglich – allerding wiederum gebunden an strenge Auflagen. Die Gewerkschaft Verdi wacht mit Argusaugen darüber, dass diese Regeln eingehalten werden. Wie wollen Sie mit dem Thema umgehen?

Janzen: Da sind wir bei unserem altbekannten Problem: Sobald wir den Antrag stellen, bei einem verkaufsoffenen Sonntag auch den Einzelhandel draußen im Gewerbegebiet einzubeziehen, können wir sicher sein, dass uns Verdi das kippen wird. Weil die Gesetzeslage vorschreibt, dass der Einzelhändler räumlich nah am Event sein muss, um am verkaufsoffenen Sonntag teilnehmen zu dürfen. Die großen Einzelhändler wie Robert Ley, Porta und Intersport Drucks – alles Aktivkreis-Mitglieder und Beitragszahler – sind dann außen vor.

Sind verkaufsoffene Sonntage denn wirklich so wichtig für den Einzelhandel?

Janzen: Das ist die große Frage. Viele behaupten: ja! Hängt aber auch vom Event ab, hängt vom Wetter ab. Ich stehe nach wie vor zu den verkaufsoffenen Sonntagen, auch wenn ich keine acht möchte, wie im sogenannten „Entfesselungsgesetz“ vorgesehen. Das wird wieder schwierig zu stemmen und man fragt sich schon, ob sich das lohnt. Die Umsatzzahlen sind das eine. Aber ich finde auch die Möglichkeit wichtig, als Familie mal in aller Ruhe bummeln zu gehen, gucken zu gehen. Herr Geuer (Elektro Geuer) berichtet zum Beispiel: Wenn die Leute kommen, dann kommen Sie mit der ganzen Familie und gucken, welche Waschmaschine sie kaufen wollen. Da hat man Zeit! Darum geht es! Dann mutieren die Läden so ein bisschen zu Showrooms und generieren die Einkäufe im Zweifel erst später.

„Am verkaufsoffenen Sonntag hat man Zeit! Dann mutieren die Läden zu Showrooms“ (Volker Janzen)

Über welchen Kanal die Einkäufe letztendlich dann kommen, das ist ja egal. Deswegen versuchen ja auch die großen Internethändler neuerdings, stationäre Läden zu eröffnen. Eben um präsent zu sein! In den USA ist Amazon ganz weit vorne damit. Dieses Multichanneling ist eine ganz wichtige Geschichte, da können wir einfach alle nicht dran vorbei!

Wichtiges Stichwort! Das Lamento, dass der Onlinehandel dem stationären Einzelhandel das Geschäft kaputt macht, ist ja bekannt und sicherlich ist da viel dran! Aber das Internet bietet dem Einzelhandel doch auch ganz große Chancen. Online bestellen, vor Ort abholen – um nur ein Beispiel zu nennen! Da hat man sein Teil im Zweifel schneller als mit Amazon Prime! Sie kennen bestimmt die Studie „Vitale Innenstädte 2018“ vom Institut für Handelsforschung (IFH) Köln. Ich zitiere aus einer Zusammenfassung: „Das Kaufverhalten zeigt auf der Ebene der Gesamtbevölkerung wie auf Ebene der Innenstadtbesucher, dass eine Strategie mit rein stationären Konzepten scheitern wird.“ Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute: „Digitale Initiativen mit lokaler Identifikation sind der Hebel, um die Attraktivität innerstädtischer Handelsstandorte zu sichern oder sogar zu erhöhen.“ Die Studie zeigt, dass die These: „Online versus Offline“ eine Mär ist.

Die oben zitierten Passagen stammen aus einer Zusammenfassung der Studie „Vitale Innenstädte 2018“ vom Institut für Handelsforschung (IFH) Köln, für die zuletzt deutschlandweit knapp 60.000 Passanten in rund 116 deutschen Innenstädten (ohne Frechen) befragt wurden. Unter der Überschrift „Vitale Innenstädte im digitalen Zeitalter“ hatte der IFH-Geschäftsführer Boris Hedde (r.) die Studie auf der Basis einer früheren Befragung im Juni 2017 auf einer Infoveranstaltung und Podiumsdiskussion der Frechener CDU vorgestellt.
Foto: Susanne Neumann

 

Jetzt habe ich mir viele aktuelle Internetseiten von Frechener Einzelhändler angeguckt und finde: Da werden jede Menge Chancen vertan!  

Janzen: Ja, die Internet-Auftritte … Ich kenn die Internetseite der Mayerschen in Frechen, die ist auch selber gestrickt. Ich sag’s nur ungern, aber wenn Sie bei Amazon eingeben „Harry Potter Teil 4“ zeigt der Ihnen sofort den Titel an. Das kann eine Buchhandlungsdatenbank nicht. Warum die das nicht kann, weiß ich nicht, aber sie kann es nicht. Und so ähnlich ist das, glaube ich, an vielen anderen Stellen auch. Die Programmierpower hat keiner.

Der Aktivkreis hat auch schon zwei bis drei Anbieter kommen lassen, die gemeinsame Plattformen für den Einzelhandel in anderen Städten realisieren. Keiner konnte überzeugen. Das war alles hanebüchen, teilweise unprofessionell und altbacken. Vielleicht waren es einfach die falschen Anbieter …

Metz: Es gibt ja Städte, in denen das ganz gut funktioniert ….

Goetze: Das steht an und wir sehen das als sehr wichtig an. Aber im Moment haben wir so viele Baustellen, dass wir noch nicht wissen, wie schnell wir es umsetzen können.

Aber es geht ja schon damit los, dass ich auf einigen Internetseiten von Frechener Geschäften noch nicht mal die Öffnungszeiten gefunden habe. Wenn ich mich online über ein Geschäft informieren will und erst lange rumklicken und suchen muss, bis ich die Öffnungszeiten finde – falls ich sie überhaupt finde -, dann gehe ich gleich woanders hin! Mal ganz abgesehen davon, dass eine Internetseite auch nichts wert ist, wenn man sie über eine Stichwortsuche bei Google nicht findet.

Janzen: Aus meiner Erfahrung unterschätzen viele die Wichtigkeit der Webpräsenz, und haben auch gar keinen Anpack, was sie da tun können.

Und wo wir bei den Öffnungszeiten sind: Mein Sohn hat sich neulich mittwochsnachmittags auf sein Fahrrad geschwungen, weil er dringend ein ordentliches Passfoto brauchte und in der Innenstadt im Fotoladen eins machen lassen wollte – kommt total genervt nach Hause und erzählt: ‚Mama, stell dir vor, die haben mittwochs nachmittags geschlossen!‘ Das ist jetzt vielleicht eine Ausnahme. Aber ich habe auch mal die Samstagsöffnungszeiten mehrerer Läden an der Hauptstraße verglichen: Da variieren die Schließungszeiten von 13 Uhr bis 18.30 Uhr! Geht man denn Samstagmittags in die Frechener Innenstadt zum Bummeln, wenn man nicht weiß, ob und welche Geschäfte überhaupt noch auf haben? Da fahre ich doch lieber gleich ins Rheincenter in Weiden oder in den Hürth Park, da kann ich sicher sein, dass alle Geschäfte auf haben und alle bis 20 Uhr.

Janzen: Ja, ein ganz altes Thema. Ich kann mich noch an frühere Sitzungen erinnern, als es hieß: Wir müssen da ran, wir brauchen insbesondere samstags einheitliche Öffnungszeiten. Wochentags sind sie ja mehr oder weniger einheitlich – bis auf wenige Ausnahmen.

Naja, morgens öffnen die Geschäfte auch unter der Woche zu recht unterschiedlichen Zeiten.

Metz: Aber man kann sagen, ab 10 Uhr sind sie alle auf.

Teilweise gibt es sogar noch Mittagspausen!

Janzen: Wenn man ein kleines Geschäft hat und da alleine steht, hat man sonst gar keine Mittagspause. Und man kann sich im Zweifel auch keine Aushilfe leisten, die da mal eben für zwei Stunden steht. Das ist einfach Fakt. Und wir haben nicht die Möglichkeit, wie die großen Einkaufscenter, jemanden vertraglich zu binden, also vorzuschreiben: ‚Du hast gefälligst von 10 bis 18.30 oder 19 Uhr zu öffnen.‘

Martinsmarkt in Frechen im November 2018

Der Frechener Martinsmarkt findet jedes Jahr Anfang November statt und war auch in 2018 gut besucht.
Foto: Susanne Neumann

Metz: Aber wenn wir es schaffen, mit einem anderen Konzept in Zeiten, wo diese Geschäfte geschlossen haben, mehr Publikum in die Innenstadt zu holen, dann werden die Geschäfte sich anpassen. Wenn die sehen: ‚Ich hab samstagsnachmittags um 13 Uhr geschlossen, aber um 14, 15 oder 16 Uhr steppt hier noch der Bär!‘ Dann garantiere ich Ihnen, dass diese Läden offen bleiben, einfach um das Geschäft noch mitzunehmen.

„Wenn wir an den Samstagen unser Kerngeschäft verstärken können, dann sind die vier verkaufsoffenen Sonntage ein schönes Zubrot.“ (Peter Metz)

Wie könnte so ein Konzept aussehen?

Metz: Wir haben vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr aber 50 verkaufsoffene Samstage! Wenn wir an den Samstagen unser Kerngeschäft verstärken können, dann sind die Sonntage ein schönes Zubrot, aber nichts, wo man hundertprozentig versteift drauf sein muss.

Janzen: Wir brauchen kleinere Veranstaltungen und Präsentationen, die vielleicht auch an mehreren Punkten in der Innenstadt stattfinden, kleine Events, die sich durch die Fußgängerzone bewegen. Wir haben genug Akteure in Frechen, die auf der Suche sind nach Plattformen, um sich selber darzustellen und sich zu präsentieren. Wir haben die Musikschule, wir haben eine unglaublich tolle Szene an Bands, an musikalischen Darbietungen. Wir haben die Vereine, wir haben viele andere Akteure in der Stadt, die bisher gar nicht so im Boot waren.

Metz: Einfach mal an einem Samstag das machen, am anderen etwas anderes, vielleicht kommen mal ein paar Tänzer von den Karnevalsgesellschaften? Es gibt ganz viele Events, die man organisieren kann, die dann immer nur Kleinigkeiten sind, die aber im Großen und Ganzen zum Einkaufserlebnis am Samstag beitragen.

Janzen: Und die lassen sich in der Regel ohne großen Aufwand organisieren. Ich hab zum Beispiel zweimal bei uns im Laden samstags jemanden gehabt, der ganz großartig gesungen hat. Die Künstler sind froh, wenn sie eine Plattform kriegen. Und sie erhöhen die Kundenfrequenz. Und darum geht’s.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und danke für das Gespräch.

1 Kommentar

  • Sylvia Knecht

    Sehr guter Beitrag! Ich wünsche dem neuen Führungsteam des Aktivkreises, das es alle Vorhaben auch umsetzen kann. Wie gesagt: Frechen runterreden gilt nicht- wir müssen gemeinsam anpacken!

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