„Ich will unterstützen und helfen!“

Susanne Stupp, Bürgermeisterin von Frechen, gratulierte dem neuen technischen Beigeordneten Robert Lehmann nach seiner Wahl.<br>Foto: Susanne Neumann

Susanne Stupp, Bürgermeisterin von Frechen, gratulierte dem neuen technischen Beigeordneten Robert Lehmann nach seiner Wahl.
Foto: Susanne Neumann

Robert Lehmann meldet sich für das Telefoninterview aus seinem Büro im niedersächsischen Wunstorf. Dort leitet der neue technische Beigeordnete der Stadt Frechen derzeit noch das Baureferat. Seine Stelle in Frechen wird der Wahlbeamte voraussichtlich Anfang kommenden Jahres antreten. Der Rat der Stadt Frechen wählte den Ingenieur letzte Woche einstimmig für acht Jahre in die Spitze der Frechener Stadtverwaltung.

„Das ist erstmal wichtig für mich gewesen, dass es diese einstimmige Unterstützung für mich gibt“, erzählt Robert Lehmann, der selbst keiner Partei angehört. „Das ist ein gutes Gefühl!“ Schließlich hatte sich die Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Frechener Stadtrat zunächst gegen die Installation einer oder eines weiteren Beigeordneten neben dem ersten Beigeordneten und Kämmerer Patrick Lehmann (CDU) sowie dem Beigeordneten Jürgen Uttecht (SPD) gewehrt. Auch Bürgermeisterin Susanne Stupp (CDU) hatte in einem Interview mit Frechenschau.de erklärt, sie hätte lieber zuerst einmal die „Indianer“ verstärkt, statt sich noch einen Häuptling ins Haus zu holen. Doch in Folge einer Organisations- und Geschäftsprozess-Untersuchung in den technischen Bereichen der Verwaltung hatte die Mehrheit der Ratsmitglieder im Dezember 2018 in einer geheimen Abstimmung für die Einrichtung der neuen Stelle gestimmt. Wie er mit der (ursprünglichen) Skepsis gegenüber seiner Position bei Teilen des Rates und der Verwaltung umgehe? „Ich werde da ganz offen mit umgehen“, antwortet Robert Lehmann auf die Frage. „Ich sehe meine Aufgabe ja auch darin, alle ein Stück weit zu entlasten, dass Arbeiten an mich übergeben werden. Ich will unterstützen und helfen! Und ich hoffe, dass meine Offenheit dann auch mit guter Zusammenarbeit Wert geschätzt wird.“

Bis zu 95 Mitarbeitende im Zuständigkeitsbereich

Im Februar hatte der Rat festgelegt, welche Geschäftskreise die drei Beigeordneten jeweils verantworten werden. Dem Dezernat von Robert Lehmann werden voraussichtlich zwischen 90 und 95 Mitarbeitende zugeordnet sein. Sein Verantwortungsbereich umfasst unter anderem räumliche Stadtplanung, Planung, Bau und Unterhalt von Gebäuden, Verkehrsflächen und –anlagen, die Abfall- und Abwasserbeseitigung, die Landschafts- und Freiraumpflege, Denkmalschutz und –pflege, Winterdienst, Friedhöfe sowie Umwelt- und Klimaschutz – Letzteres ein Bereich, den man in Frechen stärker akzentuieren will. Die technische Infrastruktur im Rathaus bleibt unter der Überschrift „IT-Steuerung und Digitalisierung“ in der Verantwortung des ersten Beigeordneten. Gelten wird die neue Geschäftsverteilung ab Dienstantritt des neuen technischen Beigeordneten.

Fokus auf Verkehrsentwicklung

Die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans (FNP) werde ein wichtiges Thema seiner Arbeit sein, stellt Robert Lehmann fest, als er nach den Schwerpunkten seiner kommenden Tätigkeit gefragt wird, auch vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Im FNP werden die Weichen gestellt für die Entwicklungen in den Bereichen Wohnen, Gewerbe und Verkehr.

Was den immer weiter zunehmenden Verkehr angehe, müsse man gemeinsam mit den Nachbarstädten nach Lösungen suchen. „Auch wenn es da gerade einen Konflikt gibt“, spielt Robert Lehmann auf Krach zwischen Köln und Frechen an, unter anderem wegen einer von Köln im Alleingang geplanten Pförtnerampel auf der Aachener Straße. „Der Verkehr ist ein sehr komplexes Feld, und ein Thema, dem man sich verstärkt zuwenden muss. Und das geht auch nur im regionalen Kontext.“

Auch die Entwicklung der Frechener Innenstadt nennt Robert Lehmann als einen thematischen Schwerpunkt seines zukünftigen Wirkungsbereichs. Im Vergleich zu anderen Städten halte er sie aber noch für „recht attraktiv“ und belebt. „In Wunstorf – wir haben 43.000 Einwohner, also etwa 10.000 weniger als Frechen – gibt es deutlich weniger Gastronomie. Und es gibt in der Frechener Innenstadt noch Einzelhandel und Drogeriemärkte, die als Frequenzbringer agieren. Besser geht immer, aber ich hatte den Eindruck, dass das Angebot ganz gut angenommen wird.“

Mit 40 in den neuen Lebensabschnitt

Nach dem Studium der Raumplanung in Dortmund absolvierte Robert Lehmann ein technisches, städtebauliches Referendariat beim Land Niedersachsen, das ihn für den höheren technischen Verwaltungsdienst qualifizierte. Vier Jahre war er danach bei der Stadt Burgdorf in der Nähe von Hannover der Fachbereichsleiter Stadtplanung, Bauordnung, Umwelt. Im Jahr 2015 wechselte er als Baudirektor nach Wunstorf. Hoch- und Tiefbau, Bauverwaltung, Stadtplanung, Bauordnung und auch Kläranlage und der Klimaschutz gehören dort in seinen Verantwortungsbereich.

Geboren wurde er in Köln. Dort machte er auch Abitur und leistete seinen Zivildienst in der Psychiatrie. Menschen mit Demenz und Depressionen habe er betreut, Alkohol- und Drogenkranke, erzählt er. „Das hat mich auch wirklich geprägt“, fügt er nachdenklich hinzu, „und persönlich weitergebracht. Die schwierige Arbeit mit diesen Menschen lässt einen schon in diesem Alter etwas nachdenklicher darüber werden, wie man enden kann.“

Diese Woche werde er 40. „Also auch von daher ein ganz einschneidender Moment in meinem Leben“, beschreibt Robert Lehmann seinen neuen Lebensabschnitt und lacht. Für seine neue Aufgabe wird er mit seiner Ehepartnerin Julia Lehmann nach Frechen ziehen. „Wir sind nach der Wahl direkt in die Suche nach einer Wohnung eingestiegen und haben jetzt auch erste Besichtigungstermine.“ Vom Zeitpunkt des Umzugs hänge ab, ob er im Januar oder Februar 2020 seinen Dienst antrete. Seine Frau ist ebenfalls studierte Stadtplanerin und derzeit im Bereich Quartiersentwicklung unter sozialen Aspekten tätig. Sie will sich in der Region Köln eine neue Stelle suchen. Kinder hat das Ehepaar nicht.

Ob er jemanden aus Frechen kenne? „Nee, nicht wirklich“, antwortet Robert Lehmann. „Meine Schwester hat mal in Königsdorf gelebt, aber das ist schon länger her. Aktuell habe ich in Frechen noch keine Bekannten.“

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