Neues vom Wachtberg

Leiter Wachtberg Forkel

Seit Jahresbeginn ist Prof. Dr. Christian Forkel Geschäftsführer der Rheinbraun Handel und Dienstleistungen GmbH und der Rheinbraun Brennstoff GmbH und damit u.a. Manager des RWE-Industriestandorts Wachtberg in Frechen.
Foto: RWE Power

Der Wachtberg hat einen neuen Chef: Prof. Dr. Christian Forkel hat zum Jahresbeginn die Leitung des Geschäftsfelds Veredelung der RWE Power AG und damit auch der Fabrik Frechen am Standort Wachtberg übernommen, wo bis dato Rohbraunkohle zu Briketts und Kohlenstaub veredelt wird. Forkels Vorgänger Karl-Heinz Stauten wechselte zur Sparte Braunkohlenkraftwerke. Als neuer Vertreter eines der größten Arbeitgeber in Frechen stellte sich Christian Forkel am vergangenen Dienstag im Frechener Stadtrat vor. Der 57-jährige promovierte Bauingenieur war zuletzt Leiter der Wasserwirtschaft der RWE Power. Zu seinen wichtigsten Zielen für den RWE-Standort Frechen zähle er neben der wirtschaftlichen Optimierung von Produktion und Vertrieb der Veredlungsprodukte eine sozial- und regionalverträgliche Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zum Ausstieg aus der Braunkohle (Kohleverstromungsbeendigungsgesetzes (KVBG)) sowie eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Standorts Frechen gemeinsam mit der Stadt.

 

Heimischer Kohlenstaub statt russischen Erdgases

Frechen werde auch zukünftig einen Beitrag zur Energieversorgungssicherheit leisten. Im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wies der Manager auf die aktuell wiedererstarkte Rolle der Braunkohle für die Sicherung der Energieversorgung hin. „Wir sind wieder gefragt“, stellte er fest und verwies als Lehre aus der Ukraine-Krise auf die angezeigte Nutzung heimischer Quellen zur Vermeidung geopolitscher Abhängigkeiten. In der Industrie könne Braunkohlenstaub kurzfristig Erdgas als Brennstoff ersetzen und stelle damit, wenn auch begrenzt, eine Alternative zu russischem Erdgas dar. Entsprechend sei die Nachfrage aus der Industrie nach Kohlenstaub derzeit groß. Man werde die Produktion am Standort Wachtberg daher „nochmal kurzfristig maximieren müssen“. Auf Nachfrage erklärte Christian Forkel, dass in der Fabrik weiterhin so viel Kohlenstaub hergestellt werden soll, wie in der Vergangenheit, nämlich bis zu 2,7 Millionen Tonnen jährlich, anstatt dass die Produktion – wie zuletzt geplant – auf 2,3 Millionen Tonnen heruntergefahren werde.

Die Brikettierung in der Fabrik Frechen werde allerdings wie beschlossen zum Jahresende 2022 eingestellt. Die Energieerzeugung in den beiden Kesseln des Industriekraftwerks am Standort, das weiterhin für die Kohlenstaubproduktion gebraucht wird und in denen auch langfristig Klärschlamm mitverbrannt werden soll, werde von 170 Megawatt (MW) auf 56 MW reduziert.

RWE Fabrik Wachtberg Veredelung

RWE-Industriestandort auf dem Wachtberg in Frechen und das benachbarte Forschungsgelände Sibylla
Quelle: RWE Power

Mögliche Folgenutzung durch die KVB

Was eine mögliche Folgenutzung von freiwerdenden Flächen am Industriestandort durch die Kölner Verkehrs-Betriebe AG (KVB) angeht, konnte der Manager noch keine Neuigkeiten berichten. Anfang März hatte noch ein Termin zwischen KVB und Stadtverwaltung stattgefunden, bei dem die Variante eines Bau- und Betriebshofs am Standort Wachtberg vorgestellt wurde. Eine von der KVB in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie, die die Grundlage für eine Entscheidung der Verkehrsbetriebe für den RWE-Standort darstelle, sei noch nicht abgeschlossen, wie die Stadtverwaltung jüngst im Ausschuss für Stadtplanung und Strukturwandel informierte. Bei seinem Vortrag im Stadtrat begrüßte Christian Forkel eine mögliche Kooperation seines Unternehmens mit der KVB am Standort in Frechen und wies darauf hin, dass „die KVB zu den Arbeitsplätzen [passt], die es jetzt schon dort gibt“.

Unterbringung von Kriegsvertriebenen auf Sibylla

Weiter ist man bereits mit den Plänen für die Folgenutzung des Forschungszentrums Sibylla in Frechen-Benzelrath. Das Unternehmen hat der Stadt Frechen das Gelände zur Unterbringung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine angeboten. Ein Laborgebäude, in dem etwa 100 Personen untergebracht werden könnten, sei gemeinsam mit der Stadt Frechen bereits als geeignet bewertet worden. Wichtige Voraussetzungen für eine auch längerfristige Unterbringung mit der Möglichkeit zur Selbstversorgung sind dort gegeben. Sibylla sei von RWE bereits weitgehend „leergeräumt“ worden, wie Christian Forkel im Stadtrat berichtete. Nach Auskunft der Stadtverwaltung werden die Büros und Labore derzeit für die Einrichtung von Wohn- und Versorgungsräumen sowie sanitären Anlagen hergerichtet. Die ersten Kriegsvertriebenen aus der Ukraine könnten – so der Plan ­– bereits Ende Juni einziehen.

 

1 Kommentar

  • Ludwig Keil

    Da keimt ja offensichtlich Hoffnung auf beim RWE, doch noch weiter die vertraute Braunkohle weiterhin vermarkten zu können. Offensichtlich wird dabei wissentlich in Kauf genommen, dass der CO2 Ausstoß durch die Verbrennung der Kohle weiterhin den Klimawandel befeuert. Das erscheint mir nicht sonderlich weitsichtig. Wäre es nicht sinnvoller, auf erneuerbare Energien zu setzen und den Standort in diese Richtung zu entwickeln? Die Herstellung von Wasserstoff wäre doch z.B. ein solches Ziel. Aber das ist dann doch vielleicht zu revolutionär.

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