Zum Pestkreuz von Kleinkönigsdorf

Schwarzes Kreuz an der K40 - das Betonkreuz ist mit schwarzen Mosaiksteinchen besetzt und hat die Bedeutung eines Pestkreuzes

Das „Schwarze Kreuz“ an der Landstraße zwischen Frechen-Kleinkönigsdorf und Pulheim-Brauweiler ist der Überlieferung nach ein Pestkreuz. Gläubige Katholiken bitten daran in Zeiten der Seuche um ihre Gesundheit.
Foto: Susanne Neumann

Im Jahre 1522 soll ein Kruzifix, das durch die Straßen Roms getragen wurde, die Stadt vor der Pest bewahrt haben. Dieses so genannte „Pestkreuz“ wird bis heute in der Kirche San Marcello al Corso in Rom aufbewahrt. Im März pilgerte Papst Franziskus dorthin, um für ein Ende der weltweiten Covid-19-Pandemie zu beten, wie das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, katholisch.de, berichtet. In Frechen gibt es auch ein Pestkreuz: Das so genannte „Schwarze Kreuz“ steht in Kleinkönigsdorf auf Höhe des Reitstalls Biohof gegenüber an der Landstraße (K40) nach Pulheim-Brauweiler. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Kleinkönigsdorf, Heinrich Konrad Poulheim, kümmert sich heute um das mit schwarzen Mosaiksteinen besetzte Betonkreuz, das eine Gesamthöhe von 2,20 Metern hat. Im Mai 1984 wurde es an der Stelle aufgestellt, an der es heute steht. Der damalige katholische Pfarrer Hans-Joachim Kampmann hat es im September des gleichen Jahres eingeweiht (Vorname des Pfarrers nachträglich korrigiert, s. Kommentar, A.d.R.).

Nachzulesen sind diese Details zum Schwarzen Kreuz in einer Veröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins mit dem Titel „Frechener Wegekreuze“. Insgesamt 44 Wegekreuze auf Frechener Stadtgebiet sind darin abgebildet und beschrieben, sortiert nach den Ortsteilen, in denen sie zu finden sind. Zu jedem dieser religiösen Kleindenkmäler gibt es eine genaue Lagebeschreibung samt GPS-Daten, außerdem sind alle Standorte in Kartenausschnitten von den Ortsteilen markiert. Der 124 Seiten starke Paperback-Band ist gerade noch handlich genug, um als Führer auf einen Spaziergang zu dienen.

Pestkreuz in Tranchot-Karte von 1807

An der Beschreibung vom Schwarzen Kreuz in Kleinkönigsdorf hat Heinrich Konrad Poulheim mitgearbeitet. Sein Opa Heinrich Poulheim, Jahrgang 1900, hatte die Wegekreuze in Kleinkönigsdorf beschrieben. Seine Aufzeichnungen dienten seinem Enkel als Quelle. So ist in „Frechener Wegekreuze“ nachzulesen, dass das Schwarze Kreuz vermutlich auf die Pestjahre 1622/23 zurückgeht, als die Seuche im Kölner Umland viele Tote forderte. In einer Tranchot-Karte aus den Jahren 1807/08 (nach dem französischen Geographen Jean Joseph Tranchot) ist das Kreuz in etwa an der Stelle eingezeichnet, an der es heute steht. Es lag damit an dem Weg, den die katholischen Gläubigen von Kleinkönigsdorf seinerzeit zu ihrer Kirche in Sinthern nahmen.

Seitdem wurde das Pestkreuz mindestens noch zweimal ausgewechselt. Im Zuge einer Wegbegradigung wurde es im Jahre 1936 entfernt und verschwand. Erst 1948 wurde ein neues Pestkeuz aufgestellt und eingeweiht. Der damalige erste Vorsitzende der ebenfalls 1948 gegründeten Dorfgemeinschaft Kleinkönigsdorf, Heinrich Lipp, entwarf und erbaute das Schwarze Kreuz in seiner heutigen Erscheinungform. In den 70er Jahren musste es dem Fahrradweg weichen und sollte versetzt werden. Dabei wurde es jedoch so stark beschädigt, dass man es nicht mehr hätte aufstellen können. Das Schwarze Kreuz, das heute an der Landstraße zwischen Kleinkönigsdorf und Brauweiler steht, hat Peter Kaulen von der Dorfgemeinschaft Kleinkönigsdorf nach dem Vorbild von 1948 gefertigt.

Buchtipp: „Frechener Wegekreuze“, Veröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins e.V. (Hrsg.), Band 7, 2019

Frechener Geschichtsverein (Hrsg.): "Frechener Wegekreuze", Band 7, 2019, Seiten 38 und 39: Stationskreuz an der Hauptstraße, Ehemalige Marienschule

Das auffällige Stationskreuz am heutigen Stadtarchiv der Stadt Frechen an der Haupstraße ist auch eines von 44 Wegekreuzen, die in der Veröffentlichung des Frechener Geschichtsvereins mit dem Titel „Frechener Wegekreuze“ beschrieben wird.
(Bilder im Buch: Wolfgang Glaser, Repro: S. Neumann)

1 Kommentar

  • ms

    Schöner Artikel, vielen Dank. Aber bitte unserem geliebten Hans-Joachim Kampmann die Ehre des richtigen Vornamens gönnen. Danke!

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